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Treffpunkt - Globalisierung
Ein alternativer Stadtrundgang in Lüneburg am 24.06.03


Nr. 5
© Gisela und Joachim Petersen, subkontur

Kleider machen Leute, und den Süden arm
Treffpunkt: Altkleidercontainer

Durch die Spende von Altkleidern tragen wir und karikative Organisationen nicht nur zur Entlassung von Textilarbeiterinnen und Textilarbeitern bei, sondern schaffen uns auch die Klientel, die wir dann später mit Geldern unterstützen.

Die Referentin Katrin Schultheiß (terre des hommes) führte u.a. aus, dass unsere Altkleiderspenden zum größten Teil nach Osteuropa und Afrika verkauft würden. Zum Beispiel stammten 80 % aller in dem afrikanischen Staat Sambia angebotenen Kleidungsstücke aus Altkleidersammlungen in Europa und in den USA. In Simbabwe habe die Regierung ein Einfuhrverbot für solche Textilien verhängt. Trotzdem gelangten dort 25 % Altkleider auf dem Markt. Die heimisch produzierte Kleidung könne preislich nicht mit den Altkleidern konkurrieren. Daher werde die Textilindustrie runiniert. Die dort Beschäftigten würden arbeitslos und der Armut ausgeliefert. Hauptleidtragende seien dabei die Kinder, denen ein Schulbesuch unmöglich werde, weil das Geld dafür fehle.

In einer lebhaften Diskussion wurden Auswege aus dieser fatalen Entwicklung gesucht. Dabei wurden Möglichkeiten erörtert wie z.B: Reduzierung der Altkleider durch Kauf von hochwertiger, lange tragbarer Kleidung, Kleidertausch im Bekanntenkreis, das Anbieten von Kleidung auf dem Flohmarkt, Anbieten von Gebrauchtkleidung bei Kleiderkammern (Stadt, Landeskrankenhaus). Im Zweifelsfall sei es besser, die Kleidung als Müll zu entsorgen, als den unmenschlichen Altkleiderhandel zu bedienen. Anklang fand auch ein Vorschlag aus der Gruppe, karitative Organisationen öffentlich an den Pranger zu stellen, wenn sie aus den Altkleiderspenden zweifelhafte Gewinne erwirtschaften würden. Die Stadt sei gefordert, für die Aufstellung von Altkleidercontainern zukünftig keine Genehmigung mehr zu erteilen.
Stadtrundgang

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