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Treffpunkt - Globalisierung
Ein alternativer Stadtrundgang in Lüneburg am 24.06.03


Nr. 6
© Gisela und Joachim Petersen, subkontur

Mit Blumen Freude schenken - nicht für alle
Treffpunkt: Blumengeschäft

"Mit Blumen Freude schenken" lautet ein Slogan des Blumenhandels. 300000 Tonnen Blumen werden jährlich von Deutschland importiert, davon 50000 vor allem aus Afrika und Lateinamerika. Die Arbeitsbedingungen der 150000 dort beschäftigten Arbeiterinnen und Arbeiter sind katastrophal: sie erhalten nur Hungerlöhne, kennen keine Sozialleistungen und müssen oft in einem Nebel hochgiftiger Pestizide arbeiten.

Vor einem Blumengeschäft am Sande referierte Frau Christiane Zimmermann (terre des hommes) über die sozialen und wirtschaftlichen Hintergründe des Blumenhandels. Die unmenschlichen Arbeitsbedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Dritten Welt auf den riesigen Blumenanbauplantagen hätten dazu geführt, dass sich etliche Menschenrechtsorganisationen zusammengetan hätten, um für Abhilfe zu sorgen. Diese bestehe aus einem Blumensiegel, mit welchem Blumen ausgezeichnet würden, welche aus Menschen und Umwelt schonender Produktion stammten. Insbesondere die Menschenrechtsorganisation FIAN setze sich für menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen ein. So kümmere sich diese z.B in Kolumbien, dem größten Blumenanbauland, um die kleinen Bauern. Diese sollten ihr Land für den Anbau von Nahrungspflanzen zurückbekommen.

Die Bedingungen in den Blumenanbaugebieten seien katastrophal. Die riesigen unter Glas liegenden Blumenanbauflächen lägen immer in der Nähe von Flugplätzen, da Blumen als leicht verderbliche Ware schnell transportiert werden müßten. Diese Anlagen müßten ständig beleuchtet und bewässert werden. Die dafür eingesetzte Energie- und Wassermenge sei enorm. Der Bevölkerung werde die Energie nicht zugänglich gemacht und zudem sinke der Grundwasserspiegel. Auch sei das Wasser in der Nähe der Blumenfelder verseucht durch die Anwendung von Pestiziden, welche in der EU verboten seien und insbesondere die ohne Schutzkleidung arbeitenden Frauen schwer schädigten.

Bei Blumen, welche aus Betrieben mit Blumensiegel stammten, sei dieses anders. Dort würden Frauen in der Produktion nicht mehr diskriminiert. Vielmehr garantieren ihnen Festverträge auch Mutterschutz. Kinderarbeit sei verboten. Ferner trete man dort dafür ein, dass ein Arbeits- und Gesundheitschutz etabliert werde.

Die großen holländischen Blumenauktionen seien eine Drehscheibe des weltweiten Blumenhandels. Vor allem Blumen aus Afrika erreichten uns auf diesem Wege. Jede dritte Blume komme aus einem Drittweltland. Der Marktführer sei Kolumbien. Milliardenumsätze würden damit gemacht, von denen nur wenige in den Anbauländern profitierten.

Für Interessierte: Informationen über das Blumensiegel gibt es im Internet unter: www.fian.de
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