1200 Menschen blockieren die Zufahrt zum Atomzwischenlager Gorleben

Die Überraschung war gelungen. Die Initiatoren von „X-tausendmal quer“ hatten ihre für den Ort Gorleben angekündigte Blockade der Castor-Transportstrecke spontan zum Zwischenlager verlegt. Als nämlich die Auftaktdemonstration beendet war und deren Teilnehmerinnen nach Hause gingen, blieben zunächst rund 200 Demonstranten einfach dort und setzen sich auf ihre mitgebrachten Strohsäcke direkt vor die Zufahrt zum Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente. Auch waren etliche Traktoren noch am Straßenrand geblieben.

Schnell verbreitete sich die Nachricht von der Blockade und immer mehr Menschen gesellten sich hinzu. Das alles geschah völlig unaufgeregt, und auch die Polizei ließ die DemonstrantInnen gewähren. So richtete man sich auf der Straße ein. Logistisch war alles gut durchdacht: Man sorgte für Toiletten, Nachschub an Strohsäcken, für Kälteschutzfolien, Essen und warme Getränke. Per Lautsprecherwagen wurden die neuesten Lageberichte verkündet und sorgten wegen der häufigen Zwangsaufenthalte des Castortransportes für siegesbewusste Hochstimmung. Radio Freies Wendland sendete aktuelle Lageberichte von AktivistInnen zwischen Lüneburg und Gorleben. So verging ganz ruhig die erste Nacht von Samstag auf Sonntag.

Auch der Sonntag verlief unaufgeregt. Immer neue DemonstrantInnen kamen hinzu. Schließlich stieg die Zahl auf über 1000 Menschen vor dem Zwischenlager. Es gab allerlei Abwechslung durch musikalische und humoristische Einlagen, und da der Castortransport weiter auf sich warten ließ, ging man daran, ein Hüttendorf zu errichten, zumal auch für die Nacht Regen angesagt war. Mit beeindruckender Schnelligkeit und Geschicklichkeit wurde aus Kiefernstämmen, Plastikplanen und Seilen großzügige hüttenähnliche Überdachungen errichtet. So konnten alle beruhigt der Nacht von Sonntag auf Montag entgegen sehen, zumal der Castortransport wegen einer Treckerblockade bei Quickborn und einer Blockade bei Grippel, bei der sich acht Aktivisten an zwei Betonpyramiden gekettet hatten, noch bis zum nächsten Tag auf sich warten lassen würde.

Am Montagmorgen galt es erst einmal, sich nach der feuchten und ungemütlichen Nacht aufzuwärmen. Dann wurde die Lage allmählich ernster, denn die Polizei erklärte die verbotene Versammlung für aufgelöst. Es folgten deren Wiederholungen, die Erteilung von Platzverweisen und schließlich die mehrfache Androhung der Räumung. Während dieser Zeit gelang es einer Frau und einem Mann, blitzschnell hinter der Polizeiabsperrung zwei Laternenmasten direkt am Tor zum Zwischenlager zu erklimmen. Die überraschten Polizisten versuchten vergeblich einzugreifen. Diese Aktion bekam viel anerkennenden Beifall. Schließlich gelang es den beiden mit Hilfe der umstehenden Demonstranten, ein Seil von Mast zu Mast zu spannen und daran ein Transparent mit der Aufschrift „Gegen unsere Lebendigkeit seid ihr machtlos!“ auszubreiten.

Die Räumung hatte nun begonnen. Vom Lautsprecherwagen der AKW-Gegner erging der Aufruf an die Polizei, maßvoll und ruhig die Räumung durchzuführen, da wegen der bestehenden anderweitigen Blockaden keine Eile geboten sei. Zu zweit oder zu viert versuchten Polizisten, aus den Sitzreihen einzelne Demonstranten zum Wegtragen herauszuziehen. Das geschah trotz der schweisstreibenden Anstrengung im Großen und Ganzen sehr maßvoll. Allerdings gab es vereinzelt auch unnötige Gewaltanwendungen. Diese trüben das positive Bild, welches die Polizei mit ihrer lobenswerten Deeskalationstrategie in der Öffentlichkeit erzeugen könnte.

Zum Ende der Räumung musste die Polizei mit einer Stahlsäge einen jungen Mann und eine junge Frau befreien, die sich unter einem auf der Straße stehenden Traktor angekettet hatten.

Fazit: Vielleicht gelingt es in Zukunft doch noch, die Polizei zu überzeugen, dass es sich lohnt, das Vertrauen der DemonstrantInnen zu gewinnen, welche nicht gegen die Polizei arbeiten, sondern sich lediglich mit ihren kreativen Protestformen für eine lebenswerte Zukunft aller Menschen einsetzen. Fotos von polizeilichen Mißhandlungen würden der Vergangenheit angehören und oberste Priorität hätte beispielsweise bei Castoreinsätzen die Menschlichkeit, welche sich auch die Lebensschützer auf ihre Fahne geschrieben haben.

 
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Beeindruckende Renaissance der Anti-Atom-Bewegung: 16000 demonstrierten in Gorleben gegen die Nutzung der Atomenergie (42 Fotos)
Weitere Fotos zum Castortransport:
Umbruch-Bildarchiv
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Ingbert Petersen