Mobiles Internet: Provider verändern transferierte Daten
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 03. Februar 2011 um 15:40 Uhr Geschrieben von: Ingbert Petersen Dienstag, den 01. Juni 2010 um 20:08 Uhr
Mobiles Internet ist stark im Kommen - immer mehr Menschen betrachten Internetseiten von unterwegs und nutzen dafür eine Mobilfunkverbindung. Doch nicht alle Provider liefern die per Browser angeforderten Daten so aus, wie Nutzer des nicht-mobilen Internets es ganz selbstverständlich erwarten können. Manche Provider für mobiles Internet wie Vodafone oder T-Mobile komprimieren Grafiken und liefern zu diesem Zweck teilweise auch veränderte HTML-Dateien aus, vielfach auch mit hinzugefügten Javascript-Programmen, die ohne unmittelbare Vorwarnung auf dem Rechner des Clients zur Ausführung gebracht werden.
Vodafone beispielsweise nennt dieses Vorgehen "HighPerformance GPRS". Dieses "Feature" müsse man, so liest man in einem Vodafone-Infodok dazu, nicht extra buchen: es sei voreingestellt. In einer Fußnote wird zugegeben, dass mit der Kompression Qualitätsverluste einhergehen. Eigene Tests haben gezeigt, dass der Qualitätsverlust teilweise erheblich ist (siehe Abbildung). Der Vorteil schnellerer Ladezeiten und geringerer Verkehrsvolumina wird also teuer erkauft: Schließlich ist es für Nutzer des mobilen Internets nicht oder nur mit erhöhtem Aufwand möglich, die Originalversion der Grafik auf den Schirm zu bekommen. Da den per mobilem Internet zugreifenden Besucher teils nicht oder nur unzureichend deutlich gemacht wird, dass die geladenen Daten verändert wurden, muss man von einer Fälschung sprechen. Das ist inakzeptabel. Weitere Informationen finden Sie beispielsweise bei ZDNet. Zwar bieten beide genannten Provider Möglichkeiten an, die Grafikqualität zu verbessern (Vodafone, allerdings nur mittels einer zusätzlichen Software, die nur für Windows-Rechner zur Verfügung steht) bzw. die Abschaltung der Kompression auf einer Konfigurationsseite im Netz (T-Mobile, allerdings mit - gemäß den bei ZDNet gefunden Informationen - zweifelhaftem Effekt), das grundsätzliche Problem wird damit jedoch nicht behoben: Nutzer erhalten nicht oder zumindest nicht automatisch die Inhalte, die sie erwarten können müssten, wenn sie eine Seite im Internet aufrufen.
Gemäß ZDNet werden bei Vodafone Javascript-Programme nur hinzugefügt, wenn als User Agent der Firefox identifiziert wird. Eigene Tests haben gezeigt, dass derzeit tatsächlich derartige Einfügungen nicht gemacht werden, wenn mit einem entsprechenden Add-on die Identität des eigenen Browsers verschleiert wird. Firefox-Nutzer, die über Vodafone das mobile Internet nutzen, können das Add-on "User Agent Switcher" verwenden, einen anonymen User Agent einrichten oder einen anderen auswählen (bspw. Chrome) und diesen benutzen. Das Problem der Grafikkompression bleibt jedoch bestehen.
Je nach Browserkonfiguration werden auch bei späterem Zugriff aus dem nicht-mobilen Internet die veränderten Inhalte geladen, sofern man vor Zugriff auf die Seite nicht den Cache geleert hat; teilweise waren die betroffenen Grafiken gar nicht mehr zugänglich, weil der von den Betreibern verwendete Proxy-Server aus dem nicht-mobilen Netz nicht ereichbar war. Auch der Druck auf's Reload-Knöpfchen hilft unter Umständen nicht - je nach Caching-Einstellungen. Im Firefox kann bei gedrückter Shift-Taste der Reload-Knopf geklickt werden, um komplett ohne Cache neu zu laden; im Internet Explorer hat Ctrl-F5 den selben Effekt. Anbieter von Seiten, denen die Qualität der angebotenen Grafiken wichtig ist, könnten durch das Senden von Headern, die das Laden von Inhalten aus dem Cache unterbinden, zumindest sicherstellen, dass die mobil geladenen Inhalte durch die Originale ersetzt werden. Allerdings haben alle auf das Caching bezogenen Vorgehensweisen den Nachteil, dass der Geschwindigkeitsvorteil aus dem Caching nicht mehr vorhanden ist. Insbesondere die letztgenannte Möglichkeit benachteiligt damit die Nutzer, die ausschließlich nicht-mobil zugreifen.
In jedem Fall können Anbieter von Internetseiten auf die von Providern vorgenommenen Veränderungen von Daten aufmerksam machen (wie mit diesem Artikel geschehen). Weitere Lösungsmöglichkeiten gibt es nicht: die Politik scheint nicht gewillt, dieser Einflussnahme Einhalt zu gebieten.




