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Castor-Scharmützel bei Harlingen

08.11.2004

Rund 300 AtomkraftgegnerInnen hatten sich am frühen Nachmittag bei Harlingen auf einem Acker entlang der Bahnstrecke versammelt, um auf die Ankunft des Castorzuges zu warten. Dieser ließ allerdings auf sich warten. Bei Harlingen waren nämlich 40 Atomkraftgegner auf die Schiene gelangt und zwangen durch eine Sitzblockade den Castorzug zum Halten. Die Polizei benötigte ungefähr eine halbe Stunde, um die Blockade zu räumen und um einige Schienenkrallen zu entfernen, welche die Blockierer auf den Schienen angebracht hatten. Ferner hatte ein junger Mann einen Baum erklettert, der direkt am Gleis steht. Der Polizei gelang es nicht, den Mann aus dem Baum zu entfernen, so dass der Castorzug unter ihm hindurchfuhr. Alle diese Ereignisse wurden über die Verstärkeranlage einer mobilen Kundgebungsbühne den wartenden AtomkraftgegnerInnen mitgeteilt, die sich natürlich riesig darüber freuten, dass es gelungen war, den Castorzug zu stoppen.

Die Polizei hat mit einer doppelten Kette das Gleis vor den DemonstrantInnen abgeschirmt. Als der Castorzug sich nähert, trifft zur weiteren Sicherung des Gleises eine Reiterstaffel ein. Die Situation ist insgesamt entspannt. Von den DemonstrantInnen gehen keine nennenswerten Störungen aus. Als der Castorzug den Ort passiert, wird er von einem Pfeifkonzert und Protestrufen begleitet. Dann rennen viele AtomkraftgegnerInnen auf dem Acker dem Zugende hinterher, allerdings vergeblich, denn dieser fährt wesentlich schneller als die DemonstrantInnen laufen könne.

Der Castorzug ist längst verschwunden, als ein Trupp von 12 bis 15 Polizisten einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit aus Schleswig-Holstein in schnellem Laufschritt übers Feld hinter ein paar flüchtenden DemonstrantInnen herjagen. Die Mehrzahl der Polizisten kann mit dem Tempo ihrer vorderen Kollegen nicht mithalten. Diese erreichen schließlich zu Viert die Straße. Die Verfolgungsjagd hatte inzwischen den äußersten Unmut der auf der Straße abziehenden DemonstrantInnen erregt, die das Ganze für einen Akt der polizeilicher Provokation halten, weil der Castorzug ja längst entschwunden war.

So macht sich Empörung Luft und es kommt zu heftigen Protesten mit Rangeleien. Die Polizisten schlagen und boxen dabei blitzschnell DemonstrantInnen derart, dass manche das Gleichgewicht verlieren und gegen die Umstehenden fliegen. Polizeiverstärkung eilt herbei und gerät ebenfalls in die Auseinandersetzungen, welche sich von der Straße auf einen angrenzenden Acker verlagern. Die gegenseitige Aufregung verstärkt sich. Erst das Blitzlichtgewitter von mindestens sechs herbeigeeilten Pressefotografen, die den wabernden Haufen umringend ihre Kameras hochhalten und alles fotografieren, scheint die Polizei zur Besinnung zu bringen. Sie zieht sich zurück.

Während der Auseinandersetzung wurde offensichtlich ein Demonstrant zu Boden gebracht. Mit dem Gesicht auf dem Acker liegend wurden ihm von zwei Beamten die Arme auf den Rücken gedreht. Während der Fesselung knieten die Beamten auf dem Rücken und auf dem verdrehten Oberarm des am Boden Liegenden. Das Fotografieren gelang nur durch die Beine eines Polizisten, da die Festnahme eng von abgeschirmt wurde.

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