
fotografie / presse-archiv© Gisela und Joachim PetersenKontakt: siehe Startseite STARTSEITE Gedenken an Sébastien Briat in Lüneburg10.11.2004Blumen liegen auf dem Marmortisch des Lüneburger Bahnhofsvorplatzes, und vier rote Kerzen warten darauf, entzündet zu werden. Auf dem Treppenaufgang zum Bahnhof wird ein Transparent entfaltet: "Für die Macht der Reichen gehen sie über Leichen. Atomkraft tötet." Es ist Mittwoch, der 10. November 18 Uhr. Langsam nach und nach finden sich etwa 40 Personen auf dem Platz ein. Für diesen Abend ist hier eine Gedenkveranstaltung angesetzt für den französischen Atomkraftgegner Sébastien Briat, der in Frankreich während des Castortransportes von La Hague nach Gorleben ums Leben kam, als der Atommüllzug ihn überrollte. Der tragische Tod des 21-jährigen hatte in der gesamten Widerstandbewegung Entsetzen, Trauer und Wut ausgelöst. Vielfältig waren die entsprechenden Reaktionen darauf, u.a. im Wendland, dem Zielort des todbringenden Atommülls: schwarzer Trauerflor, Gottesdienste, Kerzen über Kerzen entlang der Castortransportstrecke. An dem heutigen Abend wollen sich weltweit vor allen Bahnhöfen Atomkraftgegner treffen zum gemeinsamen Gedenken und zum Zeichen ihrer Anteilnahme am Schmerz der Angehörigen, die an diesem Tag ihr Bestes beerdigen mussten. Die stillen einfachen Zeichen, mit denen die Anwesenden am Lüneburger Bahnhof ihre Stimmung zum Ausdruck bringen, lassen die Kraft erahnen, die der Widerstandsbewegung innewohnt und sie am Leben hält. Der Wille, sich immer wieder für das Leben einzusetzen im Zusammenschluss von Tausenden ist ungebrochen. Die Zahl von 6000 Besuchern während der Auftaktdemo in Dannenberg anläßlich dieses Castortransportes untermauert diese Annahme. Zu den Blumen auf dem Marmortisch wird eine Laterne mit Trauerflor gestellt. Immer wieder werden dort von den Anwesenden Kerzen angezündet. Jemand verteilt Bilder von Sébastien. Ein anderer reiht auf der Erde viele Teelichtkerzen aneinander, bis der Namenszug Sébastien zu lesen ist. Während ein Redner eine bewegende Rede vor den Umstehenden hält, werden die Kerzen angezündet. Ganz leichte Windstöße lassen immer wieder einige der Kerzen verlöschen. Unermüdlich versuchen viele Hände, mit langen Kerzen die kleinen anzuzünden, hoffend, den Namen Sébastien zum Leuchten zu bringen. Und es gelingt tatsächlich! Dann, ein plötzlicher Windstoß, und alle Lichter sind erloschen bis auf eines. Ein leises Raunen geht durch die Gruppe. Dann Stille. Alle schauen gebannt auf das kleine Licht, das den Windstoß überlebte. Erneut wird versucht, dem kaum spürbaren aber störenden Wind zum Trotz die Kerzen wieder anzuzünden. So, als wollen alle sagen, wir vergessen nicht. Wir werden uns immer wieder erinnern. Oder: Immer gegenan, wir nehmen das Verlöschen der Lichter nicht hin. Oder: Der Tod von Sébastien Briat ist wie ein Schrei nach Vernetzung und weiterem Widerstand, wie einer der Anwesenden meinte. Und dann war da noch ein großes X aus roten Windlichtern vor der Bahnhofstreppe, denen der Wind nichts anhaben konnte ... Die folgenden Fotos können als JPG 750x500 zur Ansicht geladen werden. Wir weisen in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf unser Copyright hin! | |
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