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© Gisela und Joachim Petersen
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Aktionstour gegen das europäische Lagersystem am 24. und 25. September 2005

Organisiert vom Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V. in Kooperation mit dem NoLager-Netzwerk, nahm die Tour ihren Anfang in Bramsche-Hesepe (Niedersachsen), wo vor dem gleichnamigen Abschiebelager gegen menschenrechtsverletzende Einquartierungen von Flüchtlingen und Immigranten in Massenquartieren und Abschiebelagern demonstriert wurde. Nach einer Zwischenstation am Ein- und Ausreiselager Horst bei Boizenburg, wovon hier der nachfolgende Fotobericht handelt, endete die Tour in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern). Dort wurde das Sammellager Görries aufgesucht und ebenso wie schon zuvor in Bramsche-Hesepe und Horst mit vielen Transparenten lautstark gegen das europäische Lagersystem demonstriert.

Die Initiatoren der Aktionstour konnten noch nicht ahnen, dass ihre Anliegen nur wenige Tage später durch das erschütternde Flüchtlingsmassendrama an der spanisch-marokkanischen Grenze eine dramatische Zuspitzung erfahren würden: Die auf ein humanes Europa hoffenden Flüchtlinge, die vor den chaotischen unmenschlichen Verhältnissen ihrer Heimatregionen geflüchtet waren und auf ihrer monate- oft jahrelangen Flucht unglaublich schwere Strapazen durchgemacht hatten, werden schließlich kurz vor ihrem langersehnten Ziel, dem Tor zur Festung Europa, mit Schlagstöcken, Tränengas und sogar mit Schusswaffen empfangen. Es gab Tote und Verletzte. Den wenigen, den es gelang, den natodrahtbewehrten Grenzzaun zu überwinden, droht über die marrokanischen Behörden die Deportation in die Wüsten der Grenzregionen. Dort werden sie einfach ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen.

An der Aktion vor dem Lager Horst beteiligten sich etwa 300 Menschen. Wie das NoLager-Netzwerk berichtet, seien die Flüchtlinge in dem Lager vor der Aktion von den Behörden massiv eingeschüchtert und bedroht worden. Ferner seien Informationsblätter eingesammelt und vor Kontakten mit Demonstrationsteilnehmern gewarnt und Strafen angedroht worden. Wie unsere Fotos zeigen, kamen trotz dieser Repressionen viele Flüchtlinge vor das verschlossene Lagertor und nahmen an der Demonstration teil. Einige von ihnen berichteten über ihre Lebensbedingungen im Lager Horst, die von extremer Reglementierung geprägt sind. Sie seien keine Tiere, sie seien keine Gefangenen, sie protestierten gegen diese Behandlung, äußerte ein Flüchtling über ein Megaphon. Sechs bis sieben Monate hingen sie hier nur herum und die Vögel auf den Bäumen hätten mehr Freiheit als sie. Betroffen seien auch die Kinder, welche die quälende Ungewissheit ihrer Eltern spürten und darunter sehr litten.

In Redebeiträgen wiesen Aktive des Netzwerkes darauf hin, dass der Umwandlung des Lagers Horst zu einem zentralen Abschiebezentrum die Strategie zugrunde liegt, Flüchtlinge aus den Metropolen in Wälder zu verbannen. Diese Strategie finde ihre konsequente Fortsetzung in der geplanten Einrichtung von Flüchtlings- und Abschiebelagern in den Staaten Nordafrikas.

Während der Kundgebung, welche ausgesprochen friedlich verlief, erregte die zahlreich anwesende Polizei durch aggressives Filmen den Unmut der Anwesenden. Die Situation wurde zunehmend angespannt. Als TeilnehmerInnen versuchten, durch Hochhalten von Transparenten sich des ständigen Gefilmtwerdens zu entziehen, kam es zu Rangeleien. Statt eine der Situation angemessene Strategie der Deeskalation zu verfolgen, setzte die Polizei auf Konfrontation. Es kam zu Auseinandersetzungen, in deren Verlauf zwei Personen unter Einsatz körperlicher Zwangsmittel festgenommen wurden. Als die Polizei weitere Verhaftungen androhte, brachen die VeranstalterInnen die Kundgebung vorzeitig ab und reisten weiter nach Schwerin.


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Es handelt sich um Pressefotos.
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Weitere Informationen bei:

NoLager

Flüchtlingsrat Hamburg

Fotobericht bei umbruch-bildarchiv

Reportage: "Der Sprung nach Europa" (taz v. 06.10.05)